| Konstruktion und Bau der Schiffe.
Nach dem Bau der drei deutschen Panzerschiffe Deutschland, Admiral
Scheer und Admiral Graf Spee begannen die Planungen für die
Panzerschiffe D und E. Da Frankreich auf den Bau der deutschen Panzerschiffe
mit dem Bau der Dunkerque und Strasbourg (26500 Tonnen, 31 knoten,
8-33cm in zwei Vierertürmen vorn !!!) reagiert hatte, setzten
sich führende Militärs und Politiker für eine Erhöhung
der Verdrängung auf ca. 18000 Tonnen ein, um eine höhere
Geschwindigkeit und eine bessere Standkraft zu erzielen. Im Frühjahr
1934 erfolgte die Kiellegung. Nachdem Hitler am 27.Juni 1934 während
einer Besprechung der Erhöhung der Rohranzahl von sechs auf
neun Geschütze und damit dem Einbau eine dritten Turmes zugestimmt
hatte, wurden die Arbeit an beiden Schiffen eingestellt und mit
der Neukonstruktion begonnen.
Am 06.Mai 1934 erfolgte bei den Deutschen Werken in Kiel die erneute
Kiellegung des Panzerschiffes E. Drei Tage vor Abschluß des
Deutsch-Britischen Flottenvertrages, mit dem diese Schiffe erst
legalisiert wurden, begann am 15.Juni 1935 auf der Kriegsmarinewerft
in Wilhelmshafen der Bau des Panzerschiffes D als zweites Schiff
dieser Klasse. Von nun an werden diese Schiffe auch als Schlachtschiffe
bezeichnet
Am 03.Oktober 1936 läuft das Schlachtschiff D vom Stapel und
wurde auf den Namen Scharnhorst getauft. Das Panzerschiff E wurde
am 08.Dezember 1936 vom Stapel gelassen und erhielt den Namen Gneisenau.
Am 21.Mai 1938 erfolgte die feierliche Indienststellung des ersten
Schlachtschiffes der Kriegsmarine, der Gneisenau. Dieser Termin
war unter den Zwängen der Sudetenkrise gewählt worden,
obwohl das Schiff keineswegs fertiggestellt worden war. Die Scharnhorst
wurde am 07. Januar 1939 als Flottenflagschiff in Dienst gestellt.
Die Zeit bis zum Beginn des Krieges.
n zeitweise nicht einsatzbereit. Von Oktober bis Dezember ging das
Schiff wieder in die Werft, wo unter anderem die Bugform geändert
und eine Schornsteinkappe aufgesetzt wurde. Im Sommer 1939 wurde
die Scharnhorst ebenfalls mit dem sogenannten Atlantikbug ausgerüstet,
der jedoch bei beiden Schiffen nur eine leichte Besserung der See-Eigenschaften
brachte. Immer wieder kam es im Verlauf des Krieges zu Schäden,
die ohne Einwirkung des Gegners entstanden waren. Oftmals mußten
sogar Unternehmungen abgebrochen werden.
Die Gneisenau begann mit der Ausbildung der Besatzung und der Erprobung
des Schiffes, obwohl an dem Schiff noch viele Arbeiten zu erledigen
waren. Schon nach den ersten Fahrten in schwerer See kam es zu ernsthaften
Störungen im Bereich des Vorschiffes. Durch überkommende
See ist der Turm Anton die Schiffe nicht mehr einsatzbereit waren.
Erste Kriegseinsätze (1939 bis 1941).
Schon am 04.September wurden die beiden Schlachtschiffe in Wilhelmshaven
von britischen Flugzeuge vergeblich angegriffen.
Vom 08.-10. Oktober unternahm die Gneisenau zusammen mit dem Kreuzer
Köln und neun Zerstörer, unter dem Schutz von 148 Flugzeugen
einen ersten Vorstoß in die Nordsee. Ziel der Unternehmung
war, die deutschen Handelsstörer im Atlantik zu entlasten und
wenn möglich, die Schiffe der britischen Homefleet auf eine
U-Boot-Stellung zu ziehen. Obwohl insgesamt drei britische Flottenverbände
ausliefen, kam es zu keiner Gefechtsberührung
Die Versenkung der Rawalpindi
Um die Mittagszeit des 21.November 1939 liefen beide Schlachtschiffe
in Begleitung der leichten Kreuzer Leipzig und Nürnberg und
zweier Zerstörer zu einem Vorstoß in den Nordatlantik
aus, um die beiden deutschen Panzerschiffe, die im Atlantik operieren,
zu entlasten. Am Morgen des 23.November standen die beiden Schlachtschiffe
ca. 30 sm nördlich der Faröer-Inseln und liefen mit 15
knoten nach Westen. Um 16.07 Uhr sichtete die Scharnhorst eine Rauchwolke
und lief darauf zu. Nachdem das Schiff als feindlicher Hilfskreuzer
identifiziert wurde, eröffnete das Schlachtschiff um 17.03
Uhr aus einer Entfernung von 7500 m das Feuer. Obwohl die Rawalpindi,
so hieß der Hilfskreuzer, artilleristisch weit unterlegen
war, erwiderte er das Feuer, erzielte dabei einen leichten Treffer
auf dem Achterdeck der Scharnhorst und gab eine Sichtmeldung über
Funk heraus. Um 17.11 Uhr begann auch die Gneisenau zu feuern. Nachdem
der Dampfer gegen 17.30 Uhr zu sinken begann, lief die Scharnhorst
zu dem Schiff hinüber und rettete 28 Schiffbrüchige aus
der See. Zwei Stunden später kam ein britisches Kriegsschiff
(es war die Newcastle) in Sicht und Admiral Marschall brach die
Rettungsaktion ab, ließ Nebeln und lief mit Höchstfahrt
nach Osten ab. Bereits kurz nach der ersten Meldung der Rawalpindi
liefen insgesamt 10 schwere Kriegsschiffe und 16 leichte Kreuzer
der britischen Flotte zu einer Suchaktion aus. Die deutsche Kampfgruppe
setzte sich jedoch in das Nordmeer ab und kehrten erst am 27.November
bei schlechtem Wetter nach Wilhelmshaven zurück. Durch die
schwere See hatte die Gneisenau starke Beschädigungen erlitten.
Deshalb ging sie anschließend in die Werft nach Kiel und kehrte
erst am 04.Februar 1942 nach Wilhelmshaven zurück.
Unternehmen Nordmark
Am 18.Februar 1940 um 11.00 Uhr liefen die beiden Schlachtschiffe
im Rahmen der "Operation Nordmark" zusammen mit dem schweren
Kreuzer Admiral Hipper, drei Zerstörern und mehreren U-Booten
in das Gebiet zwischen dem norwegischem Bergen und England um einen
feindlichen Geleitzug anzugreifen, der von der Luftaufklärung
gemeldet worden war. Nachdem die Bordflugzeuge den Geleitzug nicht
wiederentdecken konnten, brachen die Überwasserstreitkräfte
das Unternehmen ab und kehrten nach Wilhelmshaven zurück. Der
britische Admiral Forbes hatte den Geleitzug nach ScapaFlow beordert,
nachdem am Morgen des 18. Februars ein Aufklärungsflugzeug
die deutsche Kampfgruppe bei Wangerooge entdeckt hatte.
Operation Weserübung.
Vom 07.April 1940 an wurden beide Schlachtschiffe als Deckungsgruppe
für die Truppentransporte nach Norwegen eingesetzt. Dabei kam
es zu einem kurzen Feuergefecht mit dem britischen Schlachtkreuzer
Renown, bei dem die Gneisenau drei schwere Artillerietreffer erhielt.
Am 12.April trafen beide Schiffe wieder in Wilhelmshafen ein.
Operation Juno
Am 04.Juni 1940 liefen beide Schlachtschiffe zusammen mit dem Kreuzer
Admiral Hipper und vier Zerstörern in das Seegebiet vor Narvik,
um gegnerische Befestigungen bei Harstad zu beschießen und
feindliche Transportschiffe zu versenken. Dabei wurde am 08.Juni
westlich der Lofoten der Tanker Oilpionier von der Gneisenau versenkt.
Beide Kreuzer waren auch an der Versenkung des leerlaufenden Truppentransporters
Omaha beteiligt. Ein weiteres britisches Schiff fiel der Admiral
Hipper zum Opfer, die anschließend in Begleitung der vier
Zerstörer nach Drontheim beordert wurde.
Nachdem der Flottenchef, Admiral Marschall erfuhr, das die Briten
Narvik räumten, beschloß er, die Truppentransporter mit
den beiden verbliebenen Schlachtschiffen anzugreifen. Als er nach
Norden lief, traf der Verband am 08.Juni 1940 gegen 17.00 Uhr auf
den Flugzeugträger Glorious und seine beiden Begleitzerstörer
Ardent und Acasta. Um 17.32 Uhr eröffnete die Scharnhorst das
Feuer auf den Flugzeugträger, während die Gneisenau den
Zerstörer Ardent unter Feuer nahm und innerhalb von 15 Minuten
versenkte. Anschließend beteiligte sich die Gneisenau an der
Beschießung der Glorious, die um 19.00 Uhr in den Fluten verschwand.
Um 18.39 Uhr wurde die Scharnhorst von einen Torpedo des Zerstörers
Acasta achtern getroffen und verlor dabei 48 Seeleute. Von der Glorious
wurden nur 43 Überlebende geborgen, von der Ardent und der
ebenfalls noch versenkten Acasta überlebten nur drei Seeleute.
Durch dieses Seegefecht konnte jedoch der britische Räumungskonvoi
und der schwere Kreuzer Devonshire mit dem norwegischen König
und dem Staatsschatz an Bord entkommen.
Die Scharnhorst lief zunächst zur Notreparatur nach Drontheim,
am 20.Juni 1940 kehrte sie nach Kiel zurück, wo sie bis Oktober
1940 repariert wurde.
Am 10./11. Juni führte die Gneisenau noch einen erfolglosen
Vorstoß in das Nordmeer durch.
Als das Schlachtschiff Gneisenau am 20.Juni 1940 zusammen mit dem
schweren Kreuzer Admiral Hipper aus Drontheim auslief, wurde sie
vom britischen U-Boot Clyde 40sm nordwestlich der Insel Halten angegriffen
und erhielt einen Torpedotreffer. Am 27.Juli 1940 erreichte sie
Kiel und wurde dort bis November 1940 repariert.
Unternehmen Berlin
Nachdem das Unternehmen Seelöwe, die Invasion Englands auf
unbestimmte Zeit verschoben worden war, konnte die Kriegsmarine
den Kampf gegen die englische Schiffahrt wieder voll aufnehmen.
Dazu sollten auch die beiden einzigen einsatzbereiten Schlachtschiffe
unter dem Kommando von Admiral Lütjens in den Atlantik ausbrechen.
Am 28.12.1940 begann der erste Durchbruchsversuch bei schlechtem
Wetter und schwerer See. Doch schon beim Marsch durch die Nordsee
erlitt die Gneisenau schwere Seeschäden, sodaß der Verband
das norwegische Bergen anlaufen mußte. Obwohl eine Kommission
nur drei Tage für eine Reparatur veranschlagte, bestand Admiral
Raeder, der Chef der Kriegsmarine auf den Rückmarsch in die
Heimat, um alle Schäden gründlich untersuchen und beheben
zu lassen. Am 02.01.1941 lief die Gneisenau wieder in Gotenhafen
ein.
Am 22.01. begann der zweite Versuch. Nachdem der Verband südlich
der Skagerraksperre drei Tage auf die leichten Sicherungseinheiten
warten mußte, durchquerte er die Nordsee und erreichte am
Morgen des 28.01. die Enge zwischen Island und den Färoer-Inseln.
Dort wurden beide Schiffe von dem britischen Kreuzer Naiad gesichtet
und gemeldet. Der Flottenchef, Admiral Lütjens ließ den
Verband sofort nach Norden ablaufen, wo die Gneisenau aus dem Tanker
Adria versorgt wurde. Am 03.02. durchliefen die Schlachtschiffe
die Dänemarkstraße zwischen Island und Grönland
und erreichten, nachdem sie noch einen britischen Hilfskreuzer ausweichen
mußten, am Morgen des darauffolgenden Tages den Atlantik.
Am Nachmittag wurden beide Schiffe durch die Schlettstadt versorgt.
Admiral Lütjens beschloß, als erstes nach Südosten
auf die Halifax-England Route zu operieren. Am Morgen des 08.02.
entdeckte die Gneisenau um 08.35 Uhr die Mastspitzen des Geleitzuges
HX106 am Horizont. Beide Schiffe versuchten, den Geleitzug in die
Zange zu nehmen, doch die Scharnhorst sichtete um 09.58 Uhr das
als Sicherung mitlaufende Schlachtschiff Ramillies und der Flottenchef
befahl daraufhin den Abbruch des Angriffs, da laut Operationsbefehl
ein Gefecht mit starken gegnerischen Kräften zu vermeiden sei.
Den britischen Suchgruppen ausweichend lief der Verband in das Seegebiet
südlich von Grönland und wurde wieder aus der Schlettstadt
und der Esso Hamburg versorgt. Anschließend operierte der
Verband erfolglos auf den, vom B-Dienst gemeldeten Geleitzug HX111.
Am 22.02. gelang der Gneisenau die Versenkung der Harledsen, der
Trelawny und zweier weiterer Frachter. Der Scharnhorst gelang die
Versenkung des Tankers Lustros. Von den britischen Seeleuten wurden
180 Mann gerettet, elf Matrosen gingen mit ihren Schiffen unter.
Da die Trelawny noch einen Notruf funken konnte und daher mit feindlichen
Kräften zu rechnen war, verlegte der Flottenchef das Operationsgebiet
vor die Küste von Westafrika, um dort die Geleitzüge von
Kapstadt nach Sierra Leone abzufangen. Am 27.02 erfolgte eine erneute
Brennstoffversorgung aus dem Tanker Friedrich Breme. Die Gefangenen
wurden auf die Ermland übergeben.
Am 07.03. entdeckte eines der Bordflugzeuge den Konvoi SL67, der
vom Schlachtschiff Malaya gesichert wurde. Über Funk wurden
die Unterseeboote U124 und U105 herangeführt die fünf
bzw. ein Schiff versenken konnten. Auf dem Marsch zum Flottentanker
Uckermark, aus dem am 10.03.versorgt werden soolte, wurde am 09.03.
der griechische Dampfer Marathon versenkt, nachdem vorher die 38köpfige
Besatzung an Bord genommen wurde. Zusammen mit der Uckermark und
der inzwischen dazugestoßenen Ermland bildete der Verband
einen breiten Suchstreifen, lief nach Norden, wieder zurück
auf die Halifax-England Route und konnte am 15.03. drei einzeln
fahrende Tanker kapern und mit einem Prisenkomanndo nach Frankreich
schicken. Ein vierter Tanker wurde durch die Gneisenau versenkt,
nachdem er versucht hatte zu funken. In der Zwischenzeit versenkte
die Scharnhorst die beiden britischen Tanker British Stregth und
Athelfoam versenken. Am nächsten Tag wurden noch sechs Frachter
durch die Gneisenau und vier durch die Scharnhorst versenkt. Als
die Gneisenau noch dabei war, Seeleute des Dampfers Chilean Reefers
zu retten kam das britische Schlachtschiff Rodney in Sicht. Daraufhin
setzten sich beide deutschen Schlachtschiffe mit Höchstfahrt
von der langsamen, aber schwer bewaffneten Rodney ab und liefen
zum Treffpunkt 300sm nordwestlich der Azoren. Nachdem die Schlachtschiffe
erneut versorgt und ihre über 400 Gefangene abgegeben hatte
traten sie den Rückmarsch nach Brest an, wo sie am Morgen des
22.03.1941 eintrafen. Innerhalb von 60 Tagen hatten beiden Schiffe
17800sm zurückgelegt und dabei 22 Schiffe mit 115622 BRT versenkt
oder gekapert. Sie hatten das britische Konvoisystem gründlich
durcheinandergebracht.
Schon in der Nacht vom 30./31.März begannen die Luftangriffe
auf die in Brest versammelten großen Schiffe der Kriegsmarine.
Am 04.April wurde die Gneisenau von einem Lufttorpedo getroffen.
Am 11.April gelang der RAF mit vier Bombentreffer auf die, inzwischen
im Trockendock liegende Gneisenau ein weiterer Erfolg. Dabei wurden
der vordere Geschützturm völlig zerstört und 80 Mann
der Besatzung getötet. Am 23.Juli wurde die Scharnhorst nach
dem vermeintlich weniger gefährdeten LaPallice verlegt. Dort
wurde sie am darauffolgenden Tag von der RAF angegriffen. Das Schlachtschiff
wurde dabei durch fünf Bombentreffer schwer beschädigt
und im August nach Brest zur Reparatur zurückverlegt. Durch
diese Angriffe fielen beide Schlachtschiffe für mehrere Monate
aus. Nach den vielen Bombenangriffen ordnete Hitler am 12.Dezember
1941 die Verlegung der schweren Einheiten aus Frankreich nach Norwegen
an, weil er annahm, das dort eine alliierter Landung kurz bevor
stünde.
Kanaldurchbruch 1942
Am späten Abend des 11.Februars 1942 begann das "Unternehmen
Cerberus", die Rückverlegung der beiden Schlachtschiffe
Scharnhorst und Gneisenau und des schweren Kreuzers Prinz Eugen
in die Heimat.
Für die Rückverlegung standen nur zwei Wege zur Verfügung.
Der lange Weg um die britischen Inseln herum, durch vom Gegner beherrschtes
Seegebiet, oder der kurze Weg direkt unter den Augen des Feindes
durch den englischen Kanal. Hier aber standen den Schiffen die leichten
Seestreitkräfte und ausreichende Luftunterstützung zur
Verfügung. In Vorbereitung dieses Unternehmens waren alle Minensperren
entfernt worden, etwa 176 Jagdflugzeuge waren zusammengezogen worden
und leichte Seestreitkräfte standen zur Unterstützung
in den Häfen der französischen Kanalküste bereit.
Obwohl die Briten schon lange mit dem Auslaufen der inzwischen wieder
einsatzbereiten Schiffe rechneten, wurden sie völlig überrascht.
Unglücklicherweise fiel an diesem Tag die Radarüberwachung
an der englischen Küste aus. Britische U-Boote, die den Hafen
Brest bewachten, mußten zum Aufladen ihrer Batterien ablaufen,
oder wurden von deutschen Bewachern abgedrängt. Ein U-Boot
wurde durch deutsche Sicherungskräfte versenkt.
Um 22.48 verließen die drei schweren Schiffe unter dem Befehl
von Vizeadmiral Caliax ihren Liegeplatz in Brest und begannen den
gefährlichen Marsch. Geleitet wurden sie durch sechs Zerstörer
der 5. Zerstörerflottille unter Konteradmiral Bey, der auch
den Oberbefehl über die Schnellboote hatte. Nach und nach stießen
die 2. und 3. Torpedobootflottille aus LeHavre und Cherbourg, sowie
die 5. Torpedobootflottille und drei Schnellbootflottillen zum Verband
und sicherten ihn gegen feindliche U-Boote und leichte Seestreitkräfte
ab.
Erst am Morgen des 12.Februars um 10.42 Uhr entdeckte eine Spitfire
den Verband, nachdem er schon den größten Teil des Weges
hinter sich gebracht hatte.
Der erste Angriff auf die deutschen Schiffe wurde von den Schnellbooten
abgewehrt, die wenigen durchgebrochenen englischen Schnellboote
konnten von den Zerstörern abgewehrt werden. Um 12.45 Uhr griffen
6 Swordfish-Torpedoflugzeuge der Staffel 825 an. Sie wurden alle
abgeschossen, ohne einen Treffer zu erzielen. Um 15.30 Uhr, der
Verband hatte inzwischen schon die Scheldemündung erreicht,
lief die Scharnhorst auf eine Grundmine und blieb für einige
Minuten liegen. Der Wassereinbruch konnte gestoppt und die Maschinen
wieder in Gang gebracht werden. Kurz darauf erfolgte der Angriff
der englischen 16. und 21. Zerstörerflottille, der abgewehrt
werden konnte. Auf der Höhe von Terschelling lief die Gneisenau
auf eine Grundmine, konnte ihre Fahrt aber unvermindert fortsetzen.
Um 22.25 lief die Scharnhorst ein zweites Mal an diesem Tage auf
eine Grundmine und wurde schwer beschädigt. Nach dem Ausfall
aller Navigationsinstrumente und mit einer Geschwindigkeit von nur
noch 12 knoten wurde sie vom Zerstörer Herrmann Schoemann nach
Wilhelmshafen geleitet, wo sie am Vormittag des 13.Februars eintraf.
Die Gneisenau lief zusammen mit dem Kreuzer Prinz Eugen weiter nach
Brunsbüttel und traf am 14.Februar in Kiel ein. Die deutsche
Propaganda feierte den gelungenen Kanaldurchbruch als großen
Erfolg. Strategisch gesehen war es jedoch ein Rückzug. Die
britischen Schiffahrtslinien waren vom Druck der deutschen Überwasserstreitkräfte
befreit. Allerdings war die Öffentlichkeit in England erbost.
Die Times schrieb: "In den Heimatgewässern ist seit dem
17. Jahrhundert nichts geschehen, was den Stolz der Seemacht mehr
demütigte."
Das Ende der Gneisenau.
Obwohl sie den Kanaldurchbruch fast unbeschadet überstanden
hatte, stand der Gneisenau kurze Zeit später ein unrühmliches
Ende bevor.
In der Nacht vom 26. zum 27. Februar griffen britische Flugzeuge
die Gneisenau an und beschädigten sie schwer . Das Vorschiff
wurde vollkommen zerstört. Am 04.April 1942 verlegte das Schlachtschiff
nach Gotenhafen und wurde dort außer Dienst gestellt. Kurz
darauf begannen die Reparaturarbeiten. Nach dem Desaster vom 31.Dezember
1942 am Nordkap wurde die Reparatur auf Befehl Hitlers abgebrochen.
Das Wrack der Gneisenau wurde am 27. März 1945 von den Deutschen
vor die Hafeneinfahrt geschleppt und dort als Blockschiff versenkt.
Nach dem Krieg verschrotteten die Polen die Reste des ehemaligen
Schlachtschiffes.
Einsatz in Norwegen
Die Scharnhorst wurde in Wilhelmshaven repariert und verlegte anschließend
nach Gotenhafen zur Ausbildung der Besatzung.
Am 10.Januar 1943 verließ das Schlachtschiff Scharnhorst zusammen
mit dem Kreuzer Prinz Eugen und fünf Zerstörer seinen
Liegeplatz in Gotenhafen und nahm Kurs nach Norwegen. Nachdem der
Verband von britischen Flugzeugen gesichtet worden war, wurde das
Unternehmen abgebrochen.
Am 08.März startete ein erneuter Versuch, diesmal ohne die
Prinz Eugen, das Schiff von Gotenhafen nach Norwegen zu verlegen.
Zunächst lief die Scharnhorst nach Bergen und dann weiter nach
Drontheim. Am 12.März erreichte das Schlachtschiff die Bogenbucht
bei Narvik und verlegt wenig später in den Altafjord an der
Nordspitze Norwegens. Dort kam es am 08.April zu einer Explosion,
bei der 20 Mann getötet wurden. Aufgrund der starken Massierung
der deutschen Flotte in Norwegen, neben der Scharnhorst lagen hier
noch die Tirpitz, die Lützow und einige Zerstörer, stellte
die britische Admiralität die Geleitzüge nach Murmansk
bis Anfang November ein.
Erst in der zweiten Jahreshälfte kam es wieder zu einem Einsatz
des Schiffes.
Mit dem Auslaufen der beiden Schlachtschiffe Tirpitz und Scharnhorst
und neun Zerstörer begann am 06.September 1943 das "Unternehmen
Sizilien". Ziel dieser Operation war es, die alliierten Stützpunkte
auf Spitzbergen zu zerstören. Am 08. September um 7.00 Uhr
begann der Angriff auf die Bergwerkssiedlung, während die von
den Zerstörern an Land gesetzten Grenadiere die Funk-und Wetterstation
und das Kohlebergwerk sprengen. Drei Stunden später traten
die Schiffe den Rückmarsch an und lagen am 09. September wieder
im Altafjord.
"Operation Ostfront", Das Ende der Scharnhorst
Am 25.Dezember 1943 um 19.00 Uhr begann ein erneuter Einsatz des
Schlachtschiffes Scharnhorst. Noch ahnte niemand, daß das
Schlachtschiff zum letzten Mal seinen Liegeplatz verließ und
daß nur wenige Seeleute den nächsten Tag überleben
würden.
Zusammen mit fünf Zerstörer lief sie unter dem Oberbefehl
von Konteradmiral Bey aus, um die beiden Murmansk-Konvois JW.55B
und RA.55A anzugreifen. Da alle anderen Nachrichtenübermittlungen
ausgefallen waren, wurde der Einsatzbefehl per Funk durchgegeben
und von den Alliierten aufgefangen und dechiffriert. Daraufhin wurden
die Konvois umgeleitet und der Geleitsicherung fahrende Kreuzerverband
zum Abfangen des deutschen Schlachtschiffes in Marsch gesetzt. Vizeadmiral
Burnett standen der schwere Kreuzer Norfolk und die beiden leichten
Kreuzer Sheffield und Belfast zur Verfügung. Die Fernsicherungsgruppe
unter Admiral Fraser, dem Chef der Homefleet, mit dem modernen Schlachtschiff
Duke of York, dem leichtem Kreuzer Jamaica und vier Zerstörer
lief ebenfalls in dieses Seegebiet.
Am Morgen des 26.Dezembers 1943 wurden bei teilweise dichtem Schneetreiben
die deutschen Zerstörer vorausgeschickt, um den Geleitzug zu
suchen. Die Scharnhorst lief ca. 10 sm dahinter. In der Zwischenzeit
sichteten die Kreuzer Sheffield und Norfolk das deutsche Schlachtschiff
und eröffneten um 08.24 das Feuer. Dabei erzielte die Norfolk
drei Treffer auf der Scharnhorst. Das deutsche Schlachtschiff nebelte
sich ein und entkam aufgrund seiner hohen Geschwindigkeit und der
schlechten Sichtverhältnisse. Schon 16 Minuten später,
war das Feuergefecht zu Ende. Die Scharnhorst lief nun Nordkurs,
um den Konvoi von der anderen Seite anzugreifen. Die britische Geleitsicherung
erkannte jedoch diese Absicht und konnte um 12.37 erneut den Radarkontakt
herstellen. Um 13.21 begann das zweite Feuergefecht dieses Tages.
Doch diesmal war es die Scharnhorst, die drei Treffer auf dem schweren
Kreuzer Norfolk erzielen konnte. Obwohl der britische Kreuzer schwer
angeschlagen war, unter anderem waren fast alle Funkmeßgeräte
ausgefallen, blieb er beim Verband, um mit seinen 20.3 cm Türmen
weiterhin eingreifen zu können. In diesem Gefecht, daß
etwa 20 Minuten dauerte, erhielt die Scharnhorst keinen einzigen
Treffer. Anschließend versuchte die Scharnhorst, von den britischen
Kreuzern verfolgt, nach Südosten zu entkommen. Durch die ständigen
Fühlungshaltermeldungen bestens informiert, lief Admiral Fraser
mit der Fernsicherungsgruppe in eine Abfangposition. Von Südwesten
kommend wurde auf dem moderne Schlachtschiff Duke of York um 16.20
der erste Radarkontakt gemeldet. Die Scharnhorst, die nichts von
dieser starken Gruppe ahnte, lief genau in diese Falle hinein.
Um 16.47 Uhr schoß die Duke of York Leuchtgranaten, zwei
Minuten später begannen die zehn Rohre der 35.6cm Hauptartillerie
zu feuern. Als erstes fiel auf dem deutschen Schlachtschiff der
vordere 28 cm Turm Anton aus. Mit Höchstgeschwindigkeit lief
die Scharnhorst nun Ostkurs und schien ihren Gegnern erneut entkommen
zu können. Um 17.09 Uhr hatte sie den Abstand zu den schweren
gegnerischen Schiffen soweit vergrößert, das diese das
Feuer einstellen mußten. Die vier Zerstörer der Fernsicherungsgruppe
hatten jedoch die Zeit genutzt, um eine Angriffsposition einzunehmen.
Während das deutsche Schlachtschiff die Savage und die Saumarez,
die sich beide von Südwesten her näherten, mit ihrer leichten
und mittleren Artillerie abzuwehren versuchte, konnten sich von
Nordwesten die Scorpion und die Stord ungehindert nähern und
ihre Torpedos abschießen. Als die Scharnhorst vor den Torpedos
nach Süden auswich, lief sie genau in die Torpedos der Savage
und Saumarez. Insgesamt vier Torpedotreffer setzten die Geschwindigkeit
des deutschen Schlachtschiffes auf 22 knoten herab. Während
sie noch die Zerstörer beschoß und dabei die Saumarez
dreimal mit ihren 28 cm Geschützen traf (es waren zum Glück
Blindgänger, was das Schiff vor dem Untergang bewahrte), näherten
sich die Duke of York mit den anderen Kreuzern und eröffneten
um 18.01 Uhr zum letzten Mal das Feuer. Neben unzähligen schweren
Artillerietreffern erhielt das Schiff noch mindestens 10 weitere
Torpedotreffer von den leichten britischen Kreuzern und Zerstörern.
Um 18.45 Uhr versank die Scharnhorst in den eiseigen Fluten des
Nordmeers auf der Position 72°16 min Nord und 28°41 min
Ost.
Vom Zerstörer Scorpion wurden 30 deutsche Seemänner gerettet,
die Matchless barg noch sechs weitere Überlebende. Der Rest
der über 1900 Mann starken Besatzung ging mit ihrem Schiff
unter.
Die zehn deutschen Zerstörer erreichten ihren Stützpunkt
ohne Feindberührung, der Konvoi JW55B kam ohne Verluste nach
England durch.
|